Auf dem Polizeigelände

Inhalt der Informationstafel vor dem Gebäude

Das zweigeschossige Gebäude entstand nach 1938 im Zuge der Errichtung des großen Garagen- und Werkstattenkomplexes der KVA. Der Bau war als Krankenrevier (siehe Äskulapschlange in der Mitte des Balkongeländers) für wahrscheinlich höhere SS-Führer gedacht. Durch seine Pfeilerhalle im Eingangsbereich bekommt der Eingangsbereich einen repräsentativen Charakter, der zudem von einem vorgelagerten Brunnenbecken unterstrichen wird. Im ganzen betrachtet, erkennt man an diesen Gebäude zusammen mit den gegenüberliegenden Kasernengebäuden die gesteigerten Repräsentationsansprüche der SS in der Phase der Kriegsvorbereitungen und danach.

Der Giebel bildet zusammen mit der Straße an den Kasernengebäuden eine Achse, die parallel zur Mittelachse verläuft. Die Bauweise ist typisch für repräsentative Landhäuser Anfang des 20. Jahrhunderts.(70) Der Repräsentationsanspruch wird deutlicher, wenn man bedenkt, daß man hier ein "Landhaus" auf einem Gelände gebaut hat, daß einer breiten Öffentlichkeit verschlossen blieb und in dem ein Krankenhaus untergebracht war.

Auch hier ein Beispiel zum Vergleich:

Das ehemalige Krankenrevier des SS-Truppenlagers, im Landhausstil gebaut. 


Das Landhaus Bolle der damaligen Meierei Bolle, zwischen 1911 und 1913 gebaut.

Ehemaliger Pferdestall auf dem Polizeigelände:

Bei diesem heute nicht genutztem Gebäude handelt es sich um einen früheren Pferdestall. Von Glücks ist überliefert, daß er immer wieder mit stolzer Brust durch das Truppengelände geritten ist, um zu zeigen, daß er reiten kann. Das Gebäude ist massiv aus Ziegelsteinen gebaut. Man muß sich vor Augen halten, daß man in einigen KZs (z. B. Buchenwald, Auschwitz-Birkenau) man Pferdeställe aus Holz für die Häftlinge verwendete.

Das Gebäude gegenüber, heute als Kantine benutzt, war die frühere Trafo-Station zur Stromversorgung.

Garagenhof auf dem Polizeigelände:

1940 wurde dies Gelände als sg. Kraftfahrttechnische Versuchsanstalt (KVA) eingerichtet. Hier wurden Fahrzeuge für den Kriegseinsatz hergerichtet. Das Kommando begann mit 40 Häftlingen, das Arbeitskommando wurde dann auf ca. 1500 Häftlinge ausgeweitet. Zunächst wurden Autos, dann LKWs und Kettenfahrzeuge repariert, später auch Funkgeräte, die eine wichtige Informationsquelle für die Häftlinge darstellten. Der ehemalige Lagerälteste Harry Naujoks berichtet hierüber: "Die SS-Bewacher waren meistens von Beruf auch Handwerker. Einige miese Kerle unter ihnen konnten hier leichter in Schach gehalten werden, weil Übergriffe zur Produktionsminderung geführt hätten [...]. Alles in allem: Dieses Kommando gilt als ein 'gutes' Kommando. Die Häftlingsschreibstube hat vom ersten Tage seines Bestehens an engste Verbindung zu ihm. [...] Auf Vorschlag der Genossen dieses Kommandos wird eine 'Lehrlingsabteilung' eingerichtet. Der SS-Führer Westphal läßt sich überzeugen oder duldet zumindest diese Einrichtung. Ganz langsam beginnen wir damit, einige Jugendliche, vorwiegend russischer, ukrainischer, polnischer und tschechischer Nationalität hier unterbringen. [...] Jugendliche gibt es zu Hunderten im Lager. Sie haben große Schwierigkeiten, sich dem Lagerleben anzupassen und in den Arbeitskommandos die Schwere der Arbeit bei Wind und Wetter und dem Terror der SS standzuhalten. [...] Die Belegschaft der Kraftfahrttechnischen Versuchsanstalt setzt sich mittlerweile aus Häftlingen aller Nationen und Kategorien zusammen. Beim Stand von etwa 1000 Mann Belegschaft waren rund ein Drittel deutsche Häftlinge in diesem Kommando. Die Vorarbeiter wurden nach fachlichen, aber auch nach politischen Gesichtspunkten ausgewählt."(71)

Einführung

"Turm A"

Lageran-fahrtsstraße

Kaserne

Kantine

Bunker

Heizwerk

Hundert-
schaftsgebäude

Villa Eicke

Eingang zum Polizei-
präsidium

Polizeigelände

Führerhäuser

IKL

Resumée

Literatur

Anmerkungen

(70) Vgl. die abgebildeten Beispiele (insbesondere Abbildung 11 auf S.  244 und Abbildung 13 auf S. 246) in Ringbeck, Birgitta: Architektur und Städtebau unter dem Einfluß der Heimatschutzbewegung, in: Klueting, Edeltraut (Hrsg.): Antimodernismus und Reform. Beiträge zur Geschichte der deutschen Heimatbewegung, Darmstadt 1991, S. 216-287.  

(71) Naujoks, Harry: Mein Leben im KZ Sachsenhausen 1936-1942, Berlin (Ost) 1989, S. 254f.

 

 

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