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Verschwörungstheorien und islamischer Antisemitismus

Einen besondwers schweren Fall vom Antisemitismus einer muslimischen Verschwörungstheoretekerin möchte ich hier zeigen. Auch sie kennt ein paar historische Fakten, verdreht diese aber bis ins nahezu Unerkenntliche, schließlich leugnet sie die Existenz der Hamas. Laut ihrer Aussage sei alles von den Zionisten geplant. Hier taucht erneut die alte antisemetische Stereotype der (Welt)verschwörung auf.

Auch hier muss ich aus Persönlichkeitsrechten den sehr ungewöhnlichen Namen sehr weit kürzen, es handelt sich um eine Muslimin aus dem serbo-kroatischen Raum, hierauf verweisen zumindest einige Angaben in ihrem Profil und verschiedene muttersprachliche Postings.

Ausgangpunkt war eine Nachricht, dass Israel keine Gebiete abtreten wolle und an "Judäa" und "Samaria" festhalten würde, also Begriffe biblischen Ursprungs.

Z. erwiderte gegenüber einer anderen Mitdiskutantin:

Hier verkennt sie allerdings historische Tatsachen, da Juden nachweislich diese Gebiete schon lange vor unserer Zeitrechnung besiedelten haben, hierfür gibt es archäologische Funden und auch Schriftquellen. Wenn man also den Nahostkonflikt entscheiden möchte entsprechend dem Motto, wer als erster dort war, dann wären es Juden. Nach dem Jüdischen Krieg, der im Jahr 70 endete, der Tempel des Herodes zerstört wurde, folgten der Diaspora-Aufstand und der Bar-Kochba-Aufstand, die ebenfalls von den Römern niedergeschlagen worden sind. Die Römer wollten nun endgültig das Jüdsiche Volk vergessen machen und nannten die Region dann in Anlehnung an die Philister um in "Syria Palaestina".

Nach meinem Hinweis folgten die "üblichen" Vorwürfe eines Genozids, immerhin wird die Shoah als "Trigger" nicht dethematisiert. Allerdings ist auch die Behauptung falsch, dass es nie ein Problem zwischen Juden und Arabern gegeben habe. Richtig ist allerdings, dass die Probleme sich aufgrund der Einwanderung gesteigert hatten. Allerdings waren hierdie verschiedensten Akteure beteiligt, insbesondere auch Großbritannien, das damals diese Gebiete verwaltet bzw. besetzt hatte.

Die Zionisten wollten keineswegs einen rein jüdischen Staat erschaffen, im Kernland Israels leben auch viel Araber. Wie ein rein jüdischer Staat durch einen Atomkrieg errichtet werden soll, bleibt allerdings das Geheimnis von Z.

Sie reagierte wie folgt auf meine Ausführungen:


Z. wähnt sich im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Man kann natürlich 1918 als Beginn der Probleme betrachten, allerdings liegen die Probleme begründet im Verhalten Grossbritanniens und nicht im Verhalten der Juden.

Zunächst ist festzuhalten, dass Herzls Judenstaat eine Reaktion auf Pogrome im russischen Zarenreich waren und auf die Dreyfuss-Affäre in Frankreich. Und Zionismus ist keineswegs eine Erfindung oder Festlegung wohlhabender Juden, hier schimmert eine klassische antisemitische Stereotype der wohlhabenden Juden durch, der alle Stränge der Weltpolitik in der Hand hat. Warum sollten gerade wohlhabende Juden ihren Wohlstand aufgeben, um zu dieser Zeit in der wenig fruchtbaren Gegend sich als Landwirte und Handwerker zu verdingen? Die Münchener Juden waren beispielsweise am zionistischen Kongress gar nicht interessiert, weswegen dieser dann nach Basel verlegt wurde.

Schon 1916 hatten die Briten in der Hussein-McMahon-Korrespondenz dem Sherifen von Mekka ihre Unterstützung für seinen Wunsch eines arabischen Königreiches zugesichert. Kurze Zeit später erfolgte die Balfour-Erklärung, die Juden die Errichtung einer Heimstätte in Palästina versicherte. Es handelt sich durchaus um zwei sich widersprechende Positionen.

Die Peel-Komission hatte den Arabern 80% des Weidelandes zugesprochen, die arabische Seite hatte dies abgelehnt.

Westliche (Gross)mächte standen der Staatsgründung durchaus skeptisch gegnüber, die wesentliche Unterstützung erfolgte durch die Sowjetunion. Die Waffenlieferungen an die jüdische Untergrundarmee erfolgte aus der Tscheslowakei.(1)

Grossbritannien hatte die Zionisten keineswegs so bedingungslos unterstützt, wie hier behauptet wird. Denn bereits der hier erwähnte Anschlag auf das Hotel wäre dann nicht notwendig gewesen aus Sicht der Attentäter. Grossbritannien wollte das Mandatsgebiet nicht ohne Weiteres aufgeben, weswegen die Politik sehr widersprüchlich war.

Der Anschlag auf das Hotel galt der britischen Mandatsmacht, da sie sich weigerte, nach der Shoah die Einwanderungsquote zu erhöhen. 1945 hatte die britische Marine eine Seeblockade eingerichtet, um die illegale Einwanderung zu unterbinden. Somit sind die Zionisten eben nicht unterstützt worden seitens Großbritanniens. Den Anschlag auf das Hotel mit dem des 11. 9. September zu vergleichen, ist mehr als gewagt. Mir ist auch niemand bekannt, der dies macht. Frau Z. spricht ja von "vielen". Selbstverständlich möchte ein Antisemit nicht des Antisemitismus bezichtigt werden.

Allgemein bekannt in diesem Kontext ist auch die sg. "Irrfahrt der Exodus". Es handelte sich um ein Schiff mit deutschen Juden, die 1947, also nach der Shoah, nach Palästina aufbrachen. Großbritannien schickte fast alle Passagiere nach Deutschland zurück.

In der nun erfolgten Erwiderung auf meine Einwendungen widersprach sich Z. in innerhalb des selben Posting gleich zweimal, zunächst das Posting:

Hier wird also ein Ablaufplan vorgestellt, der einen Prozeß von Basel bis in die jüngste Gegenwart zeichnet und alle Handlungen Israels diesem Plan unterwirft.

Der dritte Plan: "Al-Aqsa in danger!" - alter islamischer Antisemitismus

Der hier erwähnte dritte Plan verdient eine besondere Betrachtung, denn hier zeigt sich, wie tief die Betreffende den islamischen Antisemitismus verinnerlicht hat und worauf ihre Argumente beruhen. Z. behauptet, dass die Al-Aqsa-Moschee untergraben wird, um diese zum Einsturz zu bringen. Wenn man dies wollen würde, dann wäre sie wohl schon längst eingestürzt. Aber woher aber stammt diese Behauptung?

"Al-Aqsa in danger" ist ein alter antisemitischer Vorwurf islamischen Ursprungs.

Es war der mit NS-Deutschland kollaborierende el-husseini, dem es gelang, den Hass auf Juden religiös zu begründen. So setze er Ende der 20er Jahre die frei erfundene Behauptung in die Welt, dass Juden die Al-Aqsa-Moschee zerstören wollen, um den Dritten Tempel dort zu errichten.(2) Der Schlachtruf lautete "Al-Aqsa in Gefahr!" bzw. "Al-Aqsa in danger!". 1929 verbreitete er ein gefälschtes Foto eines Brandanschlags auf die Moschee. Dies mündete im Massaker in Hebron, 133 Juden wurden getötet, 339 verwundet.

Diesen antisemtischen Topos übernahm dann die Muslimbrüderschaft. 1938 wurde in Kairo ein Flugblatt verbreitet, das diesen Vorwurf wiederholte, um für den Dschihad, also den Heiligen Krieg, gegen Juden aufzurufen.

1943 ließ el-Husseini über den NS-Propagansasender Radio Zeesen verbreiten, dass Juden den dritten Tempel errichten wollen. Diese Propaganda pausierte in dem Zeitraum, in dem Ost-Jerusalem in jordanischen Händen war, also 1948 bis 1967.

Diese Propaganda hatte aber bis in die Neuzeit ihre Spuren hinterlassen und konnte jederzeit wieder aktiviert werden. 2017 hatten drei Palästinenser Waffen auf dem Tempelberg geschmuggelt und erschossen zwei Polizisten. Israel ließ dann Metalldetektoren aufstellen. Der Tempelberg wurde für zwei Tage geschlossen. Muslime witterten hierin die Zerstörung der Moschee. Die türkische Regierung prangerte die vorüber gehende Schließung als "Verbrechen gegen die Menschheit" an, Erdogan rief zur aktiven Verteidigung der Moschee auf al-Quaida rief zum bewaffneten Widerstand auf. Als Folge der islamischen Propaganda drang ein 19jähriger Palästinenser in ein Haus ein und ermordete drei Menschen.

Diese antisemitische Propaganda, die in den 20ern Jahren ihren Ursprung hatte, ist bis in die jüngste Gegenwart in der arabischen Welt weit verbreitet:

 

 

Das erste Bild hier gezeigte Bild aus Facebook wurde 2013 gepostet und folgendermaßen kommentiert:

 

 

Ihre Widersprüche in diesem Posting

Zunächst schrieb sie, dass Israel keinem Friedensplan zustimmen würde aufgrund der Unterstützung der EU und USA. Allerdings haben ja diverse EU-Staaten als Folge des Gazakriegs Palästina als Staat anerkannt, einige EU-Staaten schon zuvor, 2014 beispielsweise Schweden. Schwer wiegender aber der Widerspruch zwischen ihrer Aussage, dass Israel keinem Friendensplan zustimme, 1993 mit den Verträgen von Oslo dann aber doch. Dass der Prozeß von Oslo im Jahr 2000 ein Ende fand ohne weitere Ergebnisse, ist das Verschulden beider Seiten.

Der zweite Widerspruch betrifft ihre verwendete Metapher vom Haus. Ich hatte in einem der ersten Postings darauf hingewiesen, dass das Land zunächst von Juden besiedelt wurde, bevor diese von den Römern endgültig vertrieben worden sind. Möchte man den Nahostkonflikt lösen anhand der Frage, wer als erster dort war und daraus Ansprüche ableiten, muss dies zwangsläufig zugunsten der jüdischen Bevölkerung ausfallen. Erneut wiederholt sie die Aussage, dass der Zionismus eine Gefahr für die Menschheit bedeute. Sie begründet dies nicht, aber aus dem Kontext der voran gegangenen Postings lässt sich vermuten, dass hiermit ein Atomkrieg gemeint sei, da dieser die zionitischen Pläne durchsetzbar mache.

 

Ihre finale Antwort ging einen Schritt weiter:

 

Erneut zeigt Z., dass die biblischen Geschichten anscheinend nur Geschichten sind. Dass Juden ursrünglich in diesem Gebiet siedelten, ist keine erfundene Geschichte. Natürlich gibt es sehr viel Erfundenes und Geschöntes in der Bibel zu finden, jedoch geht es dabei um einzelne bestimmte Episoden, nicht jedoch um solche Tatsachen, die sich außerdem archäologisch belegen lassen. Auch dieses bereits vorgebrachte Argument hatte sie nicht aufgenommen.

Alles sei in langer Hand geplant. Dann stellt sie die Frage, ob die Hamas überhaupt existiere. Hier zeigt sich eine tiefe Verschwörungstheorie, die Juden als Drahtzieher für alles verantwortlich mache, selbst die Hamas wird anscheinend als "false flag" betrachtet. Und natürlich hat man auch Geiseln gefunden.(3) Viele Geiseln wurden in den Tunneln versteckt, so dass sie natürlich nur schwer zu finden waren. Einige mussten während des Krieges auch für Propagandavideos herhalten. Die Geiselübergaben sind von der Hamas inszeniert worden:

 

 

 

Videoquelle: N-TV vom 8. 2. 2025, zuletzt aufgerufen am 19. 12. 2025. Das Video zeigt die Übergabe dreier Geiseln am 8. 2. 2025 nach Inkafttreten der Waffenruhe. Vgl. auch die Webseite von N-TV, letzter Aufruf am 19. 12. 2025.

Bei den frei gelassenen Geiseln handelt es sich um den Deutsch-Israeli Ohad Ben Ami, Or Levy und Eli Sharabi. Eli Sharabi hat inzwischen ein Buch über seine Geiselhaft geschrieben.(4)

Es darf auch nicht der Hinweis fehlen, dass aus antisemitischer Sicht KZs Anstalten waren, die zur Menschlichkeit und Toleranz zu erziehen geeignet waren.

Fazit

Bei Z. mischen sich islamischer Antisemitismus mit Verschwörungstheorien. Beides liegt naturgemäss auch nah beisammen, die grundlegende Denkstruktur könnte für beides verantwortlich sein. Auffällig ist aber die Aussage, dass die Al-Aqsa-Moschee untergraben werde, was auf islamischen Antisemitismus hinweist.

Anmerkungen

(1) Die internationale Politik zur Gründung des Staates Israel beschreibt ausführlich Herf, Jeffrey: Israel's Moment. International Support for ans Opposition to Establishing the Jewish State, 1945-1949.

(2) Vgl. Küntzel, Matthias: Die Nazis und der Nahe Osten, Berlin/Leipzig 2019, S. 40ff.

(3) Vgl. z. B.: einen Bericht über zwei befreite Geiseln in Rafah, zuletzt aufgerufen am 19. 12. 2025 oder die Befreiung vierer Geiseln in einem Flüchtlingslager, aufgerufen am 19. 12. 2025. Auch im Shifa-Krankenhaus bzw. in der Nähe hatte man tote Geiseln gefunden.

(4) Sharabi, Eli: 491 Tage. In den Tunneln der Hamas, Berlin 2025.