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Die Geschichte des Hauses

In der Tiergartenstraße Nummer 4 befand sich bis zum Kriegsende eine Villa, die durch Bomben schwer beschädigt wurde. Sie gehörte ursprünglich dem Textilindustriellen Georg Liebermann, der 1926 verstarb. Das Gebäude wurde innerhalb der Familie vererbt, es quartierten sich dort auch Auktionshäuser ein. Nach der Machtergreifung wurde das Haus von NS-Behörden beschlagnahmt, die Besitzerin erhielt aber 600 Reichsmark monatliche Miete erstattet. Nach Kriegsbeginn wurde das Haus endgültig beschlagnahmt, Clara Liebermann bekam ein Ersatzgrundstück inkl. Haus aus jüdischem Besitz in Steglitz. 

Der Begriff "Euthanasie" 

Unter "Euthanasie" verstehet man - und das ist der wichtigste Kernpunkt - aus der Sichtweise des Betroffenen "gutes Sterben". Unheilbar Kranken soll ein schmerzfreier und ein "schöner" Tod auf deren Wunsch ermöglicht werden. Von einem selbstbestimmten Sterben war im Dritten reich natürlich keine Rede, es handelte sich um Mord an Behinderten bzw. an Menschen, die man als "behindert" stigmatisierte. Deswegen ist der Begriff im nationalsozialistischen Kontext stets negativ konnotiert. 

Ein sehr kurzer historischer Überblick

Im Juni 1933 wurde das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuches" erlassen, das Zwangssterilisationen von in etwa 400.000 Menschen zur Folge hatte. Der Übergang zum direkten Mord geschah ungefähr ab Frühjahr 1939. Durch einen Führererlass kam es zur Gründung des "Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden", die ersten Opfer waren Kinder. Circa 5000 mißgebildete und sg. "geistig behinderte" Kinder wurden mit Giftspritzen in Kinderheimen umgebracht. Im Zuge der Kriegsvorbereitungen wurde der Mord an "unheilbar Kranke" ausgedehnt. Krankenhäuser und Pflegeheime wurden verpflichtet, diese Fälle zu melden, die Opfer wurden in sg. "Euthanasie-Anstalten" in Deutschland vergast durch Kohlenmonoxid: in Brandenburg an der Havel, Hadamar bei Limburg, Grafeneck, Sonnenstein/Pirna, Hartheim bei Linz und Bernburg an der Saale. Organisiert wurde der Massenmord in der Tiergartenstraße 4. Gänzlich ließ sich der Massenmord nicht vor der Bevölkerung verbergen, aufgrund vereinzelter öffentlicher Proteste (bekannt ist die Predigt des Bischofs von Gahlen) wurde das Programm im Sommer 1941 eingestellt. Allerdings verstarben noch viele Menschen durch systematisches Verhungern in den Pflegeanstalten oder durch Giftinjektionen. Das Programm wurde dann auch auf Konzentrationslager übertragen, unter der Bezeichnung "14f13" sind in KZs kranke und nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge umgebracht worden. Die am Mord beteiligten Ärzte organisierten maßgeblich die sg. "Aktion Reinhardt", mit der man das Generalgouvernement (also die Teile des besetzen Polens und der Ukraine, die nicht voll in das Deutsche Reich eingegliedert worden sind) "judenfrei" machte. Die sg. "Euthanasie"-Morde stellen also eine wichtige Schnittstelle zum systematischen Mord an Juden dar.

Die Vorgeschichte des Mahnmals

Das Mahnmal selbst hat auch eine Vorgeschichte. Die Geschichte des Ortes geriet zunächst in Vergessenheit. Es waren einmal mehr engagierte Bürger, die Geschichtswerkstatt und Initiativen, die auf den Ort aufmerksam machten. Mitte der 80er Jahre wurde der Ort u. a. durch temporäre Aktionen (mobiles Museum) und Auftritten von Initiativen in der Öffentlichkeit bekannt. Ein Mahnmal wurde gefordert, was der Berliner Senat seinerzeit ablehnte.

Er kaufte die Skulptur "Berlin Curves" von Richard Serra an, die sich erst vor dem Martin-Gropius-Bau als Bestandteil einer temporären Ausstellung beunden hatte. Die Skulptur wurde 1988 aufgestellt, die Empörung war zu Recht groß. Als Kompromiß wurde die Skulptur umgewidmet, eine im Boden eingelassene Bronzetafel hinzugefügt, die sich aber nicht in unmittelbarer Nähe der Skulptur befindet, somit leicht zu übersehen ist.

Der Text der Tafel: "Ehre den vergessenen Opfern An dieser Stelle, in der Tiergartenstraße 4, wurde ab 1940 der erste nationalsozialistische Massenmord organisiert, genannt nach dieser Adresse: "Aktion T 4". Von 1939 bis 1945 wurden fast 200 000 wehrlose Menschen umgebracht. Ihr Leben wurde als "lebensunwert" bezeichnet, ihre Ermordung hieß "Euthanasie". Sie starben in den Gaskammern von Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar: sie starben durch Exekutionskommandos, durch geplanten Hunger und Gift. Die Täter waren Wissenschaftler, Ärzte, Pfleger, Angehörige der Justiz, der Polizei, der Gesundheits- und Arbeitsverwaltungen. Die Opfer waren arm, verzweifelt, aufsässig oder hilfsbedürftig. Sie kamen aus psychiatrischen Kliniken und Kinderkrankenhäusern, aus Altenheimen und Fürsorgeanstalten, aus Lazaretten und Lagern. Die Zahl der Opfer ist groß, gering die Zahl der verurteilten Täter."

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Hier zunächst zwei Bilder der Skuptur "Berlin curves". Im Hintergrund befindet sich links die Philharmonie. Erst im Rahmen der neuerlichen Diskussion um das "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" kam es hier am authentischen Ort zu einem neuen Mahnmal.