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Gedenkorten

 

Der Standort unterscheidet sich von den anderen Standorten der vier Denkmäler in einem entscheidenden Punkt: es handelt sich hier um einen authentischen Ort, auch wenn von ihm nichts mehr erhalten ist. Im November 2011 entschloss der Deutsche Bundestag, hier einen Gedenkort zu errichten. "Der Siegerentwurf der Architektin Ursula Wilms sowie des Künstlers Nikolaus Koliusis und des Landschaftsarchitekten Heinz W. Hallmann umfasst eine transparente blaue 24 Meter lange Glaswand, die auf einer zur Mitte leicht geneigten dunklen Fläche aus anthrazitgefärbtem Betonbelag verläuft. Eine begleitende Freiluftausstellung informiert über die Geschichte der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde mit ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart hinein." (1).

Die Glasplatte soll, so die Künstler, neugierig machen. "Das Publikum soll erkennen, 'da steht was Enormes'. Die Aufmerksamkeit wird erregt, ein Ausrufezeichen ist die Glaswand sicherlich. Aber was ist es, was das Ausrufezeichen markiert? 'Wir wollten immer beides", sagt Wilms, die 'Täter- und die Opferseite zum Ausdruck bringen'." (2)

Aufsehen erregt die Glasfläche auf jeden Fall, Assoziationen zum Mord an sg. "lebensunwertes Leben"wohl kaum. Um dieses Defizit zu füllen, gibt es allerdings ein sehr gelungenes langes Informationspult, das auch mit Hörstationen ausgestattet ist. Der Besucher kann sich hier über die Vorgeschichte des Massenmordes informieren, vor allem aber etwas über die Vorgeschichte vor dem Nationalsozialismus. Der Massenmord hatte ideologische Vorläufer, deren Ideologie entstand bereits deutlich vor 1933. "Die Tötung von Menschen mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen war keine nationalsozialistische Idee." (3)

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Anmerkungen

(1) zitiert nach dem Flyer der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

(2) Speicher, Stephan: Ausrufezeichen aus blauem Glas, in Süddeutsche Zeitung vom 3. 9. 2014, Link zuletzt eingesehen am 28. 8. 2016

(3) So lautet der erste Satz auf dem Informationsboard.